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Erinnerung an Schwerin – eine Begegnung, die bleibt

Schweriner Schloss

Foto: Stadtmarketing Gesellschaft Schwerin mbH

Es war meine erste Reise in die damalige DDR – und mein Ziel stand fest: das Schweriner Schloss wollte ich mit eigenen Augen sehen. Die Grenze war noch da, die Systeme noch verschieden, und doch führte mich der Weg genau dorthin: an einen Ort, der bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Ankunft in einer anderen Welt

Es war Übergangszeit – die DDR existierte noch, und wie alle Besucher aus dem Westen musste ich damals Geld tauschen. Mit diesem ungewohnten Geld in der Tasche ging es durch die Straßen von Schwerin. Vieles war anders als zu Hause, und gerade das machte den Reiz aus.

Brot, Wurst und ein Geschmack wie früher

Irgendwann kam der Hunger. Im Westen findet man an jeder Ecke einen Imbiss – hier war es anders. Also: erst zum Bäcker, ein frisches Brot gekauft. Danach zum Fleischer, eine Wurst dazu.

Dieses einfache Essen hatte einen Geschmack, den ich lange nicht mehr gespürt hatte: ehrlich, kräftig, handgemacht. Es war wie eine Reise zurück in die eigene Kindheit – bevor vieles industriell und austauschbar wurde.

Ein Abend im Restaurant – und ein Moment, der hängen bleibt

Später wollten wir noch warm essen. Ein Restaurant war gefunden, also hinein. Der Kellner kam, freundlich und korrekt, und fragte, ob wir reserviert hätten. Hatten wir nicht. Mit einem Augenzwinkern meinte ich: „Schauen Sie, wir sind Wessis, die von nichts eine Ahnung haben – aber Hunger, den haben wir!“

In diesem Moment war alles Eis gebrochen. Wir bekamen einen Platz, das Essen war herzhaft und wunderbar – und aus Fremden wurden Menschen, die sich verstanden.

Wenig später kam ein weiteres Paar aus dem Westen, elegant gekleidet, sehr selbstsicher. Als der Kellner erklärte, dass die Plätze reserviert seien, reagierte der Mann unfreundlich und pampig. Der Kellner blieb ruhig, aber bestimmt – und bat sie, das Lokal zu verlassen.

Dieser Moment hat sich eingebrannt: Respekt und Haltung sind nicht an ein System oder ein Land gebunden – sie liegen im Menschen selbst.

Was Schwerin für mich bedeutet

Schwerin steht für mich bis heute für Begegnung: zwischen Ost und West, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Fremdheit und Nähe. Es war mehr als nur eine Reise – es war ein Stück gelebte Geschichte.

Und wie so oft war Musik im Hintergrund dabei. Vielleicht ist es genau das, was Flux9 ausmacht: Erinnerungen, Begegnungen, Geschichten – eingefangen zwischen ein paar Takten, einer Melodie und einem Gefühl, das bleibt.

Ein Beitrag von Sven für Flux9 Radio.